Unsere Amseln


Sie sind schon ein besonderes Völkchen, unsere Prohliser Balkonamseln. Sicher freuen sie sich mit uns, dass der lange, dunkle, strenge Winter nun endlich gewichen ist. Frühmorgens, wenn meine Frau trotz Winterkälte die Balkontür kurz öffnete, um zu lüften, saßen schon eine oder zwei von ihnen auf dem Geländer. Sie hielten den Kopf etwas schief, schauten fragend in unser Wohnzimmer, als ob sie sagen wollten „Na, wie ist es, kriegen wir endlich was zu picken?“.

Ja, in diesen Wintertagen blieben die Amseln auch vertrauensvoll sitzen, wenn meine Frau etwas von unserem „Zusatzkühlschrank“, dem Balkon, holen wollte. Sprach sie meine Frau freundlich an, versuchten einige sogar auf Amselart glucksend zu antworten. Auch im Sommer sind sie uns nah. Von einer Begegnung muss ich hier noch rasch erzählen: Ich Alter sitze auf dem Balkon, genieße das Licht- und Schattenspiel schräg in das weite Elbtal einfallenden Strahlen der Abendsonne. In der Kiefer vor unserem Haus schmettert eine Amsel ihren Lobgesang in den Sommerabend.

Erst lausche ich nur. Dann versuche ich die kleinen, sich immer etwas verändernden Motive nachzupfeifen. Darauf hebt die Amsel immer energischer ihre weithin tragende Stimme. Sie ruft - ich antworte. So geht es eine Zeit lang hin und her. Immer aufgeregter wird ihr Gesang. Weil ich aber nicht ablasse, auch die kleinsten Veränderungen nachzupfeifen, fliegt sie plötzlich auf mich zu, um kurz vor mir nach oben abzubiegen.

Da sang ja keine, das Feld streitig machende andere Amsel, sondern so ein komischer Zweibeiner, die uns im Winter gefüttert haben. Nun warte ich schon auf die kommenden Sommerabende und das Abendlied unserer Prohliser Amseln.

Hand Rick

Unsere Amseln

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